„Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“

(Die Bibel, Brief des Jakobus, Kapitel 1, Vers 19)

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Der Philosoph Epiktet, der um die Wende vom ersten zum zweiten Jahrhundert gelebt hat, soll gesagt haben: „Der Mensch hat ZWEI Ohren und EINE Zunge, damit er doppelt so viel hören kann, wie er spricht.“ Ein wirklich weises Wort – aber wenn es nur so leicht zu beherzigen wäre!

Meist ist es doch so: Wir haben uns über jemanden geärgert und wissen unserer Meinung nach ganz genau, wo der Fehler liegt. Und dann zögern wir nicht, sondern machen uns gleich auf den Weg, um demjenigen mal gehörig genau diese unsere Meinung zu sagen. Aber vielleicht wäre es ja mal eine Idee, dem anderen nicht unsere Meinung zu sagen, sondern SEINE Meinung anzuhören? Manches von unserem Zorn, der doch in seiner Wut ganz schnell ungerecht wird, würde dann vielleicht verrauchen. 

So sieht es auch Jakobus: Dass Menschen schnell zum Zorn neigen, ist ein echt menschliches Problem. Und weil die Gemeinde Gottes aus echten Menschen besteht, ist es folglich auch ein Gemeindeproblem. Was aber ist da zu tun? Jakobus gibt uns im Monatsspruch die Antwort: Vor unserem – vielleicht von Wut vergiftetem Reden – soll das Hören mit beiden Ohren kommen

Das eine Ohr soll offen sein  hin zu Gott. Dabei kann es nicht zuerst darum gehen, dass wir das Verhalten des Anderen mit Gott durchsprechen. Noch davor sollen wir unsere Motive vor Gottes Angesicht prüfen lassen. Mindestens genauso oft, wie beim Anderen, liegt die Ursache für sinnlosen Streit ja bei uns selbst. Das andere Ohr soll offen hin zum anderen sein: Was hat ihn bewogen, so zu handeln, wie er es getan hat? Warum konnte er vielleicht gar nicht anders vorgehen?

Wer sich solcherart von Gottes Wort in seinem Zorn bremsen lässt, wird mehr und mehr die Leitung durch Gottes Geist erfahren. Und der führt uns auf den Weg des Friedens trotz aller Gründe zum Streiten.

Stefan Heine

Eingebremst … – Bibelwort für den Monat Juli